Geleitwort des Betreuers

Das World-Wide Web ist ein wunderbares Informationsmedium. Man findet darin Informationen zu nahezu allen Fragen des täglichen Lebens. Leider findet man darin oft so viele Informationen, dass man sie als Mensch kaum sinnvoll verarbeiten kann. Deshalb gibt es seit einigen Jahren das Bestreben, das Web intelligenter oder tiefer zu machen beziehungsweise, es mit mehr Inhalt (Semantik) anzureichern. Dadurch würde eine teil- oder vollautomatisierte Verarbeitung der Webinhalte möglich werden. Diese Arbeit stellt einen gelungenen Versuch in dieser Richtung dar. Bei dem gewählten Ansatz werden Daten aus unterschiedlich strukturierten und gestalteten HTML-Seiten in XML-Daten mit Hilfe eines vom Autor entwickelten Vokabulars umgewandelt. Dabei kann z. B. ein Tabelleneintrag von 9,95 die Bezeichnung Preis erhalten. Das Vokabular kann um neue Elemente leicht erweitert werden. Durch die Semantikanreicherung in diesem Prozeß ist es dann möglich, die Daten so zu verarbeiten, daß daraus für den Benutzer relevante und leicht aufnehmbare Informationen entstehen. Die im Internet bisher verwendeten Techniken wie Suchmaschinen sind wegen ihrer semantiklosen Datenmodelle für anspruchsvollere Aufgaben nicht geeignet. Die üblichen Programme für Preisvergleiche (comparison shopping) beziehen sich entweder auf relativ einfache Produkte wie Bücher oder CDs oder sie sammeln ihre Daten offline. Dieser traditionelle Weg der Datenbeschaffung ist jedoch relativ teuer und fehleranfällig. Der Ansatz wird am Beispiel des Online-Brokerage, einem Segment elektronischer Finanzdienstleistungen, demonstriert. Der elektronische Dialog zwischen Kunde und Bank beziehungsweise Broker wird auf der Basis marketing-psychologischer Erkenntnisse im Detail betrachtet und anhand von Beispielen erläutert. Die Entwicklung des Dialogs von menschlicher Beratung bis zur computerbasierten Intermediation mit Hilfe von Agenten und XML-basierten Datenaustauschstandards wird aufgezeichnet. Die Relevanz der Informationen für den einzelnen Benutzer wird hier dadurch optimiert, daß er seine gewöhnlichen Aktivitäten und Präferenzen spezifizieren kann und dann einen individualisierten Vergleich erhalten kann. Systeme wie der hier entwickelte BrokerSelector erhöhen die Transparenz im Markt, was von Leistungsanbietern vielleicht nicht immer gewünscht wird. Online-Broker liefern jedoch ihre Daten bereits auf traditionellem Weg für Vergleichszwecke. Deswegen sollten sie sich solchen Entwicklungen nicht verschließen, sondern durch Aufnahme eines standardisierten XML-Formats, wie z. B. dem hier entwickelten Vokabular, unterstützen. Denn langfristig profitieren sie von ihren Kunden am meisten, wenn die Kunden die richtige Auswahl getroffen haben.

Prof. Dr. P. Alpar, Frankfurt a. M., Januar 2002